Direkt zu uns: +43 650 7200920
PinzgauKitzbühelFernwartung
EDV Tropper

Hotel-WLAN richtig planen: Warum mehr Access Points nicht automatisch besser sind

Warum mehr Access Points nicht automatisch besseres WLAN bedeuten – und worauf es bei Planung, Roaming, Kanalbelegung und Netztrennung im Hotel wirklich ankommt.

Netzwerkinfrastruktur

Praxiswissen aus der Hotel-IT

Stabiles Hotel-WLAN beginnt mit der richtigen Planung

Gäste erwarten heute, dass WLAN im Hotel einfach funktioniert – im Zimmer, an der Rezeption, im Restaurant und möglichst auch auf Terrasse, Wellnessbereich oder Seminarfläche. Gleichzeitig laufen über dieselbe Infrastruktur häufig interne Systeme, VoIP, Kassensysteme, Haustechnik und mobile Arbeitsgeräte.

Ein stabiles Hotel-WLAN entsteht deshalb nicht dadurch, möglichst viele Access Points zu montieren. Entscheidend sind Funkplanung, Kanalbelegung, Verkabelung, Netztrennung und die Frage, wie viele Geräte sich unter realen Bedingungen gleichzeitig im Netzwerk befinden.

Mehr Access Points bedeuten nicht automatisch besseres WLAN

Einer der häufigsten Gedanken bei WLAN-Problemen lautet: Wenn das Signal schlecht ist, montieren wir einfach noch einen Access Point.

Das kann funktionieren – muss aber nicht. Wird ein WLAN ohne Funkplanung immer weiter verdichtet, können sich Access Points gegenseitig stärker beeinflussen. Besonders problematisch wird es, wenn mehrere Funkzellen dieselben oder überlappende Kanäle verwenden oder mit unnötig hoher Sendeleistung betrieben werden.

WLAN ist ein gemeinsam genutztes Medium. Geräte auf demselben Funkkanal können nicht beliebig gleichzeitig senden. Sie müssen sich die verfügbare Airtime teilen. Je mehr konkurrierende Geräte und Funkzellen vorhanden sind, desto weniger Zeit bleibt für die tatsächliche Datenübertragung.

Deshalb kann ein Hotel mit zwölf schlecht geplanten Access Points in der Praxis schlechter funktionieren als dasselbe Gebäude mit acht sinnvoll positionierten Geräten.

Volle WLAN-Balken sagen wenig über die tatsächliche Qualität aus

Eine gute Signalstärke ist wichtig, aber sie ist nur ein Teil der WLAN-Qualität. Ein Smartphone kann nahezu vollen Empfang anzeigen und trotzdem langsam oder instabil arbeiten.

Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen:

  • hohe Auslastung des verwendeten Funkkanals,
  • Störungen durch andere WLAN-Netze,
  • zu viele Clients auf einer Funkzelle,
  • ungünstige oder zu breite Kanalbelegung,
  • hohe Wiederholungsraten bei der Datenübertragung,
  • schlechtes Signal-Rausch-Verhältnis,
  • ein langsamer Uplink des Access Points,
  • Probleme im kabelgebundenen Netzwerk oder
  • eine ausgelastete Internetleitung.

Genau deshalb sollte bei einer WLAN-Analyse nicht ausschließlich auf die Anzahl der Empfangsbalken geschaut werden.

Interessanter sind unter anderem Signalqualität, Kanalbelegung, Störungen, Retransmissions, Client-Anzahl, Latenz, Paketverluste und die tatsächlich erreichbare Datenrate.

2,4 GHz, 5 GHz und 6 GHz erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Moderne WLAN-Infrastrukturen arbeiten mit mehreren Frequenzbereichen. Diese unterscheiden sich unter anderem bei Reichweite, verfügbarer Bandbreite, Anzahl nutzbarer Kanäle und Verhalten bei Wänden und Decken.

2,4 GHz

Das 2,4-GHz-Band erreicht vergleichsweise große Reichweiten und wird von nahezu allen WLAN-Geräten unterstützt. Gleichzeitig steht nur wenig störungsfrei nutzbares Funkspektrum zur Verfügung.

In einem größeren Hotel können sich Funkzellen deshalb schnell gegenseitig beeinflussen. Zusätzlich befinden sich häufig ältere Endgeräte, IoT-Geräte und andere Funkanwendungen in diesem Frequenzbereich.

2,4 GHz ist deshalb weiterhin nützlich, sollte in einer modernen Hotelinstallation aber nicht automatisch die Hauptlast des Gäste-WLANs tragen.

5 GHz

Für viele aktuelle Endgeräte ist 5 GHz der wichtigere Frequenzbereich. Es steht mehr Funkspektrum zur Verfügung und eine professionelle Installation kann die vorhandenen Kanäle wesentlich besser zwischen benachbarten Access Points verteilen.

Gleichzeitig durchdringt das höherfrequente Signal massive Wände meist schlechter als 2,4 GHz. Genau dieser vermeintliche Nachteil kann in einem Hotel sogar hilfreich sein: Funkzellen lassen sich räumlich kontrollierter planen und beeinflussen sich weniger weit über mehrere Zimmer oder Stockwerke hinweg.

6 GHz

Neuere WLAN-Technologien können zusätzlich das 6-GHz-Band verwenden. Dieses bietet weiteres Spektrum und kann insbesondere in modernen, stark ausgelasteten Umgebungen interessant sein.

Allerdings müssen sowohl Access Point als auch Endgerät den Frequenzbereich unterstützen. Zudem nimmt die Reichweite durch Bauteile mit steigender Frequenz tendenziell weiter ab. 6 GHz ist deshalb kein Ersatz für eine vernünftige Funkplanung, sondern eine zusätzliche Möglichkeit innerhalb eines modernen WLAN-Konzepts.

Breitere Kanäle sind im Hotel nicht automatisch schneller

Ein häufiger Irrtum ist die Annahme, dass eine möglichst große Kanalbreite grundsätzlich besser sein muss. Ein 80-MHz-Kanal kann unter idealen Bedingungen hohe Datenraten ermöglichen. Gleichzeitig belegt er wesentlich mehr Funkspektrum als ein 20- oder 40-MHz-Kanal.

In einem Einfamilienhaus mit wenigen Access Points kann das sinnvoll sein. In einem Hotel mit zahlreichen Funkzellen kann eine große Kanalbreite dagegen die Wiederverwendung der vorhandenen Frequenzen deutlich erschweren.

Gerade bei hoher Access-Point-Dichte kann deshalb eine bewusst kleinere Kanalbreite insgesamt mehr nutzbare Kapazität erzeugen.

Das Ziel einer professionellen Planung ist nicht die höchste theoretische Geschwindigkeit eines einzelnen Clients, sondern eine stabile Gesamtleistung für viele gleichzeitig verbundene Geräte.

Ein Hotelzimmer hat heute nicht mehr nur ein WLAN-Gerät

Die Planung ausschließlich anhand der Zimmeranzahl greift ebenfalls zu kurz.

Zwei Gäste können problemlos mehrere Geräte gleichzeitig mitbringen: Smartphones, Tablets, Notebooks, Smartwatches oder Streaming-Geräte. Dazu kommen Geräte des Hotels selbst.

Bei hoher Auslastung kann sich die Zahl der WLAN-Clients deshalb schnell vervielfachen. Ein Hotel mit 60 belegten Zimmern kann deutlich mehr als 60 aktive Endgeräte im Netzwerk haben.

Eine WLAN-Infrastruktur sollte daher nicht für einen ruhigen Dienstagvormittag geplant werden, sondern für Situationen, in denen das Hotel gut ausgelastet ist und viele Gäste gleichzeitig online sind.

Die Position eines Access Points entscheidet mit

Access Points sollten dort montiert werden, wo ihre Funkzellen sinnvoll wirken können. Eine Position, die für die Verkabelung besonders bequem ist, ist nicht automatisch auch funktechnisch sinnvoll.

Typische problematische Montageorte sind beispielsweise:

  • abgeschlossene Technikräume,
  • Metallschränke,
  • ungünstige Zwischendecken,
  • Positionen direkt neben großen metallischen Installationen,
  • Stellen, an denen mehrere massive Wände durchfunkt werden müssen.

Auch die Bauweise des Hotels spielt eine große Rolle. Stahlbeton, Brandschutztüren, Fußbodenheizungen, Metallverkleidungen oder massive historische Mauern beeinflussen Funkwellen völlig anders als leichte Trockenbauwände.

Deshalb lässt sich aus einem Gebäudeplan allein nicht zuverlässig ableiten, wie viele Access Points tatsächlich benötigt werden.

Roaming muss von Anfang an berücksichtigt werden

Gäste bewegen sich durch das Gebäude. Ein Smartphone wird im Zimmer verbunden, anschließend geht der Gast durch den Gang, nimmt den Lift, besucht das Restaurant und setzt sich später auf die Terrasse.

Dabei sollte die Verbindung möglichst sinnvoll zwischen den vorhandenen Access Points wechseln.

Wichtig zu verstehen ist: Die Entscheidung, wann ein Client einen Access Point verlässt und zu einem anderen wechselt, wird wesentlich vom Endgerät selbst getroffen. Die WLAN-Infrastruktur kann diesen Vorgang jedoch unterstützen und die Funkumgebung so gestalten, dass Clients sinnvolle Entscheidungen treffen können.

Moderne WLAN-Systeme können dafür Mechanismen wie 802.11k, 802.11v und 802.11r einsetzen. Entscheidend bleibt trotzdem eine sinnvoll geplante Funkabdeckung.

Ist ein Access Point beispielsweise viel zu stark eingestellt, kann ein Smartphone noch lange an dieser Funkzelle festhalten, obwohl bereits ein deutlich besser geeigneter Access Point in der Nähe vorhanden wäre.

Mehr Sendeleistung ist deshalb auch hier nicht automatisch besser.

Das beste WLAN nützt wenig ohne gutes kabelgebundenes Netzwerk

Hinter jedem professionellen WLAN steht ein kabelgebundenes Netzwerk.

Access Points benötigen eine stabile Verbindung zu Switches, Firewalls, Gateways und letztlich zum Internet. Wird an dieser Stelle gespart, kann selbst eine perfekt geplante Funkversorgung ihre Leistung nicht ausspielen.

Wo es baulich möglich ist, bevorzugen wir deshalb einen kabelgebundenen Uplink für stationäre Access Points.

Mesh-Technologien können in bestimmten Situationen sehr hilfreich sein. Sie sollten aber nicht automatisch als Ersatz für vorhandene Netzwerkverkabelung betrachtet werden. Funkstrecken zwischen Access Points teilen sich schließlich ebenfalls das verfügbare Funkspektrum.

Gerade bei Renovierungen oder Neubauten lohnt es sich daher, frühzeitig über strukturierte Netzwerkverkabelung nachzudenken.

Mehr über den Aufbau professioneller Unternehmensnetzwerke erfahren Sie unter Netzwerktechnik für Unternehmen und Hotels.

Gäste-WLAN und internes Firmennetz gehören getrennt

Ein Hotel-WLAN ist nicht nur ein Performance-Thema. Es ist gleichzeitig ein Sicherheits- und Infrastrukturthema.

Gäste sollten keinen direkten Zugriff auf interne Systeme erhalten. Eine professionelle Installation trennt deshalb unterschiedliche Bereiche logisch voneinander.

Je nach Betrieb können beispielsweise eigene Netze vorgesehen werden für:

  • Gäste,
  • Rezeption und Verwaltung,
  • Kassensysteme,
  • VoIP-Telefonie,
  • Haustechnik und IoT-Geräte,
  • Server und zentrale Infrastruktur,
  • Netzwerkmanagement.

Technisch lässt sich diese Trennung beispielsweise über VLANs und passende Firewall-Regeln umsetzen. Dabei geht es nicht darum, möglichst viele VLANs zu erzeugen, sondern unterschiedliche Sicherheitsbereiche sinnvoll voneinander zu isolieren.

Wird beispielsweise ein Gerät im Gäste-WLAN kompromittiert, sollte daraus kein direkter Weg zur Rezeption, zum Kassensystem oder zu internen Servern entstehen.

Internetgeschwindigkeit und WLAN-Geschwindigkeit sind zwei verschiedene Dinge

Bei Beschwerden über langsames WLAN wird häufig zuerst die Internetleitung verdächtigt. Das ist verständlich, aber nicht immer richtig.

Zwischen dem Smartphone eines Gastes und einer Website liegen mehrere getrennte Abschnitte:

  1. die Funkverbindung zwischen Client und Access Point,
  2. das lokale Netzwerk des Hotels,
  3. Firewall und Router,
  4. der Internetanschluss,
  5. das Netz des jeweiligen Internetanbieters und
  6. der angesprochene Dienst im Internet.

Eine 1-Gbit/s-Internetleitung löst deshalb kein schlecht geplantes WLAN. Umgekehrt kann ein hervorragendes WLAN einen zu kleinen oder ausgelasteten Internetanschluss ebenfalls nicht kompensieren.

Bei der Fehlersuche muss deshalb festgestellt werden, an welchem Abschnitt der Verbindung die tatsächliche Einschränkung entsteht.

Typische Fehler bei Hotel-WLANs

Access Points nach Gefühl verteilen

Ein Access Point pro Gang oder pro Stockwerk klingt zunächst logisch. Die tatsächliche Funkabdeckung richtet sich aber nicht nach der optischen Gebäudestruktur.

Alle Access Points mit maximaler Leistung betreiben

Dadurch werden Funkzellen unnötig groß und beeinflussen sich stärker. Außerdem sendet ein Smartphone typischerweise mit wesentlich geringerer Leistung als ein professioneller Access Point. Eine Verbindung muss jedoch in beide Richtungen funktionieren.

Sehr breite Kanäle verwenden

Große Kanalbreiten können hohe Spitzengeschwindigkeiten ermöglichen, reduzieren aber die Anzahl sinnvoll parallel nutzbarer Funkkanäle.

Nur das Gäste-WLAN betrachten

Wenn Rezeption, Hotelsoftware, Kassensystem, Telefone und Haustechnik dieselbe Infrastruktur verwenden, muss das gesamte Netzwerk betrachtet werden.

Nur im leeren Hotel testen

Ein Netzwerk kann bei zehn Gästen hervorragend funktionieren und bei voller Belegung völlig anders reagieren.

Probleme mit zusätzlichen Access Points überdecken

Wenn die Ursache eine schlechte Kanalplanung, ein ausgelasteter Switch-Uplink, Störungen oder eine ungeeignete Konfiguration ist, löst ein zusätzlicher Access Point das eigentliche Problem nicht.

Wie wir ein Hotel-WLAN betrachten

Bei einer bestehenden Installation interessiert uns zunächst nicht, welcher Hersteller auf den Access Points steht. Entscheidend ist, wie das gesamte System aufgebaut ist.

Wir betrachten unter anderem:

  • Gebäudeaufbau und relevante Bereiche,
  • Position und Anzahl bestehender Access Points,
  • Frequenz- und Kanalbelegung,
  • Signalqualität und Funkstörungen,
  • Client-Dichte und typische Nutzung,
  • Roaming-Verhalten,
  • Switching und Verkabelung,
  • PoE-Versorgung,
  • VLAN- und Firewall-Struktur,
  • Internet-Uplink und mögliche Engpässe,
  • Monitoring und Wartbarkeit.

Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, ob Access Points ergänzt, verschoben, ersetzt oder lediglich anders konfiguriert werden sollten.

Ein gutes Hotel-WLAN soll vor allem unauffällig sein

Die beste WLAN-Infrastruktur ist im täglichen Hotelbetrieb meist diejenige, über die niemand sprechen muss.

Gäste verbinden ihre Geräte und das Internet funktioniert. Mitarbeiter können auf ihre Systeme zugreifen. Die Rezeption bleibt erreichbar. Geräte wechseln beim Bewegen durch das Gebäude unauffällig zwischen den Funkzellen. Und die IT muss nicht jede Woche neu gestartet werden.

Genau dafür lohnt es sich, bereits bei der Planung nicht nur auf die Anzahl der Access Points oder die beworbene Maximalgeschwindigkeit zu schauen.

Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Funkplanung, Netzwerk, Sicherheit, Verkabelung und der tatsächlichen Nutzung des Hotels.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Hotel-IT und IT-Infrastruktur für Hotels. Wenn Sie ein bestehendes WLAN überprüfen oder eine neue Infrastruktur planen möchten, können Sie uns auch direkt über die Kontaktseite erreichen.

← Alle Blogbeiträge

PERSÖNLICH WEITERHELFEN

Eine Frage zu Ihrer IT?

Wir besprechen mit Ihnen, was für Ihren Betrieb sinnvoll ist.

Kontakt aufnehmen